Elektromobilität für Nutzfahrzeuge?

Kurz vor der IAA für Nutzfahrzeuge möchte die Fachpresse einen Hauch von Pioniergeist versprühen. Mercedes z.B. stellt mit seinem Urban eTruck ein rein elektrobetriebenes Nutzfahrzeug vor, BPW mit ihrer e-Solutions- Achse eine Energiewewinnung am Trailer. Diese kann durch die Energierückgewinnung am Trailer mittels Radnabengeneratoren z.B.  genügend Energie zur Versorgung von Kühlfahrzeugen erzeugen. Bereits bei der Ausrüstung einer Achse mit zwei ePower-Radnabengeneratoren, wird genug Energie beim Bremsvorgang erzeugt, um ein Kühlaggregat zu betreiben.

Diese Entwicklung, Einsparungen von Diesel bis zu 2.500 Liter pro Jahr sind möglich, sind sinnvoll und schonen die Umwelt. Selbst mit zusätzlicher Batterie zur Zwischenspeicherung der Energie ist dieses System, im Vergleich zur Kühlung mittels eines Dieselaggregates, gewichtsneutral.

Gefeiert wird auch der Urban eTruck. Mit einem reinen Elektroantrieb soll dieser die Lösung für emissionsfreie Lieferverkehre in Städten sein. Doch steigt z.B. durch den E-Antrieb das Gewicht um 1,7 (!) Tonnen gegenüber einem vergleichbaren, dieselbetriebenen Modell. 1,7 Tonnen mehr Gewicht ist eine Menge, auch wenn die EU-Komission, durch eine Erhöhung des zulässigen Gesamtgewichtes um 1000KG, diesen Verlust der Nutzlast zum Teil unterstützt, muss diese zusätzliche Masse bewegt werden.

Fast schon als Randnotitz liest man von Iveco, welche ihren neuen Stralis NP (Natural Power), der mit komprimiertem und flüssigem Erdgas (LNG) betrieben wird, vorstellt. Dieser ist zzt. der einzige mit Erdgas betriebene Lkw welcher, mit 400 PS Leistung, besserem Leergewicht (im Vergleich zu dem selben, dieselbetriebenen Modell) und ähnlicher Reichweite wie ein herkömmlicher LKW, eine vollwertige Alternative zu Diesel bietet.

Die Einsparungen gegenüber einem vergleichbaren Dieselantrieb:

  • Rußpartikel -95%
  • NOx -35%
  • CO2-Ausstoß -10%, bei Biomethan -100%
  • Geräuschemission um -5 dB(A)

Sicherlich sind Elektroantriebe eventuell eine Alternative für spezielle Anforderungen, 200KM Reichweite und 1,7t Mehrgewicht können im Alltag aber nicht überzeugen. Warum nur wird der LNG-Antrieb, generell und eventuell in Kombination mit einem Hybridantrieb, nicht als schnell umsetzbare, alternative Antriebskraft für Nutzfahrzeuge angesehen? Warum geht nur ein Hersteller diesen Weg? Es geht um die Ablösung der „breiten Masse“ an Fahrzeugen, nur dann werden messbare Veränderungen stattfinden.