Klimaschutz oder Lobbyschutz?

Der Klimaschutzplan des Umweltministeriums hat überrascht. Das „Leitbild 2050“ setzt für den Straßenverkehr „im Zielszenario, soweit ökologisch verträglich, auf Biokraftstoffe und ansonsten weitgehend auf Strom aus erneuerbaren Energien sowie weitere THG-neutrale Kraftstoffe“.

Also in erster Linie Biodiesel (aus z.B. Raps oder Palmoel) und Ethanol ( aus z.B. aus Zuckerrohr) noch vor Strom. Die Frage nach Tank oder Teller wird sich in den nächsten Jahren also immer mehr stellen. Noch im September 2016 hat der Bundesrat der Bundesregierung empfohlen, den Einsatz von Biokraftstoffen aus Nahrungsmittelpflanzen ab 2020 „öffentlich nicht mehr zu fördern“. Eine vergebliche Empfehlung.

Zu Erdgas heißt es im Klimaschutzplan: „Erdgas spielt aus Sicht der Bundesregierung beim Übergang zu einer weitgehend stromgeführten Mobilität und zur Minderung der THG- und Schadstoffemissionen eine wichtige Rolle…. Bei Nutzfahrzeugen besteht durch die weitere Effizienzsteigerung der Verbrennungsmotoren und Getriebe, die Hybridisierung, die Verbesserung der Aerodynamik, den Einsatz rollwiderstandoptimierter Reifen, Anpassung der Fahrzeuglänge sowie die Verwendung von Wasserstoff und Flüssigerdgas LNG bzw EE-Methan in optimierten Gasmotoren noch Potenziale zur Reduktion der THG-Emission je Fahrzeug-KM von ca. 30% bis 2030“. Weiter heißt es: „In den nächsten Jahren müssen wir den Brennstoff Erdgas durch CO²-neutrales, regenerativ erzeugtes Gas ersetzten“. Also auch hier durch eine Zunahme von Biogas immer mehr die Frage nach Tank oder Teller.

Erdgas in Fahrzeugen, wir haben ein Erdgasfahrzeug im Bestand, ist eine schnell verfügbare, gute und umweltschonende Alternative. Leider ist hier kein weiterer Ausbau festzustellen. Die Verbreitung des Tankstellennetzes stagniert, neue Fahrzeugmodelle mit Erdgasantrieb kommen nur selten. LNG im Nutzfahrzeug ist technisch verfügbar, hier fehlt die Infrastruktur, z.B. von einem Tankstellennetz komplett. Wie kam es zu Erdgasfahrzeugen in Deutschland überhaupt? Stadtwerke verkaufen auch Erdgas, betreiben regional ganze Erdgasnetze. Diese wollten auch ihre Stadtbusse und Betriebsfahrzuge mit Erdgas betanken und haben so für erste Erdgasfahrzeuge und den Aufbau des Tankstellennetzes gesorgt. Darüber hinaus ist wenig bis nichts passiert.

Das Thema Leerfahrten wird im Klimaschutzplan komplett ignoriert. In Deutschland sind 1/3 aller LKW leer unterwegs, in 2015 waren das rund 6Mrd. KM. Auch bei allen privaten PKW- Fahrten sind fast immer Plätze im Fahrzeug frei. Ein riesiger Posten, leider komplett ohne Beachtung.

Fazit: Biosprit wird dominieren. Durch „… die weitere Effizienzsteigerung der Verbrennungsmotoren“ werden Abgasskandale zunehmen und immer weniger haltbare Motoren entstehen. Das Erdgasnetz wird nicht weiter ausgebaut, Erdgas wird durch Biogas oder durch Strom erzeugte Gase ersetzt. Die Frage Tank oder Teller wird in den nächsten Jahren immer mehr zunehmen. LNG in Nutzfahrzeugen wird ein schwaches Tankstellennetz erleben und als Randerscheinung wahrgenommen werden. Stromfahrzeuge kämpfen mit der Reichweite und Lebensdauer der Akkus, hier wird entscheidend sein wie erfolgreich die weitere Entwicklung ist. Selbst mit einer Förderung der Bundesregierung für den Kauf von Elektrofahrzeugen werden diese bisher kaum gekauft. Alternativ hat sich die Stromlobby die Herstellung von Gas durch Strom gesichert. Auf den Straßen werden Leerfahrten zunehmen.

Schade, dass die Bundesregierung selbst nicht wenigstens ein klein wenig innovativ ist und sich von Lobbyisten so stark lenken lässt. Es gibt auch hier viele gute und neue Ansätze welche von der Bundesregierung nicht gefördert werden wie z.B.:

  • Mitfahrzentralen; warum nicht eine geeignete Infrastruktur hierfür bereitstellen und einen finanziellen Anreiz für Mitnahmen von Personen bieten?
  • Leerfahrten; warum hier keine geeignete Lösung und einen finanziellen Anreiz zur Mitnahme von Teil- und Komplettladungen in Echtzeit anbieten?

Der Verkehr wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Neben mehr Verbrauch von Kraftstoffen werden auch die Straßen immer mehr belastet und verstopfen noch mehr. Leider haben meist kleine und innovative Anbieter von neuartigen Ansätzen keine Lobby. So ist auch der ganze Klimaschutzplan mehr ein Lobbyschutzplan als alles Andere.