Regiomal: Die letzte Meile (1)

Der eCommerce boomt. Das sorgt auch bei den Paketdienstleistern für gute Stimmung. Deren Bundesverband rechnet mit 30.000 neue Stellen bis 2020. Um diesen Bedarf mit möglichst qualifiziertem Personal zu decken kooperiert z.B. die Post seit kurzem mit der Bundeswehr. Der wachsende Onlinehandel bedeutet mehr Belastung auf den Straßen, in den Städten.

Neben etablierten Produkten wie Bekleidung und Unterhaltungselektronik nimmt auch der Onlinehandel mit Lebensmittel langsam Fahrt auf. Herausforderung hier ist der Mix aus Kühlung, Tiefkühlung und ungekühlter Ware.

Die „letzte Meile“ stellt Paketdienstleister schon immer vor große Probleme. Abholstationen in Läden oder Packstationen gibt es schon lange, haben sich aber nicht durchsetzten können. Neue Techniken wie Drohnen, Roboter , Abholstationen in Fastfood- Restaurants oder eine Kofferraumbelieferung werden als Lösungsansatz getestet und sind sicherlich nur bedingt einsetzbar. Gibt es – als Alternative – vorhandene Strukturen welche kostengünstig weiterentwickelt und so für die Regionalmarktplätze verwendet werden können?

1.: Letzte Meile- bewährte Strukturen wirtschaftlich und kundenfreundlich weiterentwickeln

1.1: „Pizzadienste“

Per Telefon oder online bestellt ist z.B. die bestellte Pizza innerhalb von max. einer Stunde geliefert. Frisch zubereitet, noch heiß angeliefert.

Nicht „Same Day“ sondern „Same Hour“

Im regionalen Onlinehandel sollte diese spontane Bestellmöglichkeit in Kombination mit einer schnellen Lieferung und günstigem Versand gelten. Was wichtig ist – alle diese Lieferdienste arbeiten an sich unproduktiv da jeder von diesen eine eigene Liefereinheit vorhält. Dort wären mit einer kombinierten, leerfahrtoptimierten Logistik enorme Einsparpotentiale bei noch schnelleren Lieferzeiten möglich (z.B.Trucksharing). Aber dennoch rechnen sich diese Dienste für die oftmals kleinen Betriebe jetzt schon. Einige Startups bieten hier eine kombinierte Lieferung von verschiedenen Restaurants aus einem Gebiet an, allerdings nur in zzt. großen Städten und mit rund 30% sehr hohen Provisionen. Die Öffnungzeiten dieser „Pizzadienste“ haben sich durch jahrelange Erfahrung an die Kundenwünsche angepasst. Viele von diesen betreiben ein Restaurant mit Sitzplätzen und bieten eine Lieferung ohne Aufpreis an (oft sogar mit der obligatorischen, kostenlosen Weinflasche für Bestellungen über einen bestimmten Bestellwert…). Lieferdienste haben durch direkten Kundenkontakt und engem Zeitfenster die letzte Meile gut im Griff.

Diese Lieferdienste:

  • beliefern z.B. zur Mittagspause Privatpersonen in Firmen
  • liefern nach Feierabend an Privatadressen
  • liefern innerhalb eines kurzen Zeitfensters nach Bestellung
  • liefern ohne Aufpreis
  • sind dicht am Kunden

 

1.2.: Linienverkehr:

Als Beispiel Stadt- bzw. Überlandbusse mit ihren festen Haltestellen. Aber auch viele Bäckereien, Metzgereien, Banken etc. bedienen ihre Kunden mit mobilen Filialen und entsprechendem Fahrplan. Z.B. pünktlich zur Frühstückspause in Firma X bedienen diese so ihre Kundschaft. Für Endkunden sind Linien mit einem festen Fahr- und Standplan (Standzeiten: je mehr Kunden um so längere Standzeit) sinnvoll und planbar. Regionalmarktplätze bieten eine kominierte Abholmöglichkeit. Nach Beendigung der jeweiligen Linien mit Standplätzen welche max. 2Km voneinander entfernt sind (Stadt) oder in einzelnen Dörfern (Standzeit entsprechend der Größe des Ortes bzw. den Bestellungen) werden diese in der Zentrale neu beladen. Diese könnten zusätzlich auch z.B. als Abhol und Abgabestation für Pakete verschiedener Paketdienstleister und als Regiomal- Bestellcenter genutzt werden. Auch wäre das Aufstellen z.B. von Geldautomaten in diesen fahrbaren Stationen interessant. Also eine Click & Collect- Lösung in Kombination mit der möglichen Nutzung von verschiedenen, strategisch günstigen Abholstellen (die wenigsten Stellen sind 24h strategisch gut) und zusätzlichen Dienstleistungen. Als Abholstationen können z.B. Sattelzüge oder Solofahrzeuge (7,49t, kein Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen) mit entsprechend eingerichteten Auflieger bzw. Aufbauten dienen.

Mobile Abholstationen  können:

  • Strategisch günstige Standpunkte ohne feste Bebauung ( Pendlerparkplätze, Raststätten und Bahnhofsvorplätze im Berufsverkehr, Discotheken, Parkplätze von großen Firmen zu den entprechend sinnvollen Zeitfenstern nutzen) erproben und ermöglichen
  • durch neue Standorte und ständige Aktualisierungsmöglichkeit maximal produktiv eingesetzt werden
  • auch als Drive- in Stationen genutzt werden
  • günstig realisiert werden, durch den Einsatz von z.B. Auflieger lange nutzbar.

1.3.: Abholung außerhalb der Ladenöffungszeiten

Wer schon einmal an z.B. einem Feiertag vormittags tanken musste hat eventuell schon ähnliches erlebt: In einem Ort mit knapp 10000 Einwohner war die Tankstelle als einzig offener Bezugspunkt von Lebensmittel schlicht überlaufen. Schlangen vor den drei geöffneten Kassen bis aus dem Gebäude heraus. Getankt hatte – außer mir – keiner. Laut Bedienpersonal als „einzige offene Stelle im Umkreis“ hielt der „Ansturm“ schon seit der Ladenöffnung an diesem Tag an. Der große Brotbackautomat konnte die Nachfrage an Backwaren nicht bewältigen, aber auch Getränke und sonstige Artikel waren gut gefragt. Generell ist der Verkauf von Lebensmittel, Tabakwaren und Zeitungen für Tankstellen das Hauptgeschäft, durch eine Sonderregelung im Ladenschlussgesetz gerade auch an Sonn- und Feiertagen. Nicht ohne Grund stand 2013 Aral in Deutschland auf Platz 10 im Fastfood- Absatz. Sieht man sich die Preise in Tankstellen an, dann ist für viele Konsumenten der Verkaufspreis weniger wichtig wie eine schnelle Verfügbarkeit auch an Sonn- und Feiertagen bzw. in der Nacht. Es drängt sich fast der Eindruck auf dass der Kraftstoffverkauf einzig der Legalisierung der so möglichen Öffnungszeiten dient.

Tankstellen

  • verkaufen oft „rund um die Uhr“ zu deutlich teuren Preisen
  • haben nur ein kleines Sortiment
  • zielen direkt auf Spontaneinkäufe
  • nutzen den Tankvorgang für den zusätzlichen Absatzmarkt
  • sind Nachts hell beleuchtet, Betriebsamkeit suggeriert Sicherheit

Eine Kooperation wäre aufgrund der selben Kundenzielgruppe eher schwierig. Abholstationen wären hier vorzuziehen. Diese sollten generell mit Personal betrieben werden. Entsprechende automatisch arbeitende Abholstationen würden nicht unter die Ladenöffnungszeiten fallen und könnten, da mobil, an Sonn- und Feiertagen zu verschiedenen Uhrzeiten an die strategisch bestmöglichen Orte gestellt werden. Die Befüllung bzw. das Versetzten dieser Stationen (Solofahrzeuge bis max. 7,49t) wäre auch an Sonn- und Feiertagen möglich.

Mehr zu diesem Thema demnächst im 2. Teil