Regiomal: Die letzte Meile (2)

Im ersten Teil ging es um „Pizzadienste“ mit ihrer extrem schnellen Lebensmittel-Lieferung und Tankstellen welche den Tankvorgang mit dem Verkauf von Lebensmittel zu überhöhten Verkaufspreisen erfolgreich kombinieren. Beide bedienen ihre Kunden auch außerhalb der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten bzw. an Sonn- und Feiertagen.

Der Onlinehandel mit frischen Lebenmittel steht immer noch am Anfang. Da Amazon in diesen Markt drängt und nun mit seinem „fresh“ Angebot in Berlin startet, sehen sich immer mehr etablierte Anbieter in der Pflicht. Amazon startet sein Angebot mit einem riesigen Warensortiment und ergänzt dieses mit regionalen Spezialitäten von kleinen Anbietern, so genannten „Lieblingsläden“. Die hier angebotene Kombination von klassischen „Supermarktwaren“ mit der Möglichkeit weitere regionale Spezialitäten direkt von kleinen Manufakturen zu beziehen garantiert Amazon fresh zzt. ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal.

Auch lässt sich durch den Onlinehandel das Ladenschlussgesetz umgehen. Eine Auslieferung von „leichtverderblichen Lebensmittel“ an Sonn- und Feiertagen ist nach §10,Abs.10 ArbZG (zzgl. der „Bäckerregel Punkt 3) und § 30 Abs. 3 Nr. 2 STVO theorethisch möglich und könnte als direkte Möglichkeit gegen die Alleinstellung der Tankstellen genutzt werden. Für den LEH sind Sonn- und Feiertage schon jetzt recht normale Arbeitstage. Auch wenn die Läden geschlossen haben treffen „leichtverderbliche Lebensmittel“ an diesen Tagen ab Mittags in deren Verteilzentren ein und werden dort kommissioniert. Onlinebestellungen könnten z.B. von dort bereitgestellt und regional ausgeliefert werden.

Die „letzte Meile“ neu definieren

Bisher kommen die Kunden zum LEH. Deren Läden sind verkaufspsychologisch perfektioniert. Da ein „linksdrehender“Onlineshop nicht funktoniert werden oft halbherzige Onlineversuche gestartet. „Click & Collect“ wird immer wieder neu im selben Rahmen getestet,  immer mit dem selben ernüchternden Ergebnis. Aber auch eine eigene Anlieferung zu Kunden nach Hause ist ökologisch wie ökonomisch nicht  Zeitgemäß. Eine kombinierte Logistik und mobile Abholstellen und deren Liniendienst wie im ersten Teil beschrieben wären eine neue, wirtschftliche und flexible Alternative. Hier gilt es neue Wege in Kombination mit bewährten Strukturen zu finden. Z.B. die Top 100 Produkte in mobilen Abholstationen lagern und komissionieren. Innerhalb weniger Minuten sind diese im ganzen Stadtgebiet als Expressdienst abholbereit (als Ansatz z.B. „Pizza- Lieferdienste“ mit 30-40 verschiedenen Produkten, frisch und schnell verfügbar). Das volle Warensortiment als Same- Day- Lieferung über diese Abholstationen. Bei einem Regiomal- Marktplatz Ansatz z.B. Top 50 frische und regional hergestellte Produkte in Kombination mit den TOP 150 Produkte z.B einer Fußgängerzone auch als Express am Tag und als Standartsortiment Nachts  bzw. an Sonn- und Feiertagen. Das volle Warensortiment ebenfalls als Same- Day- Lösung.

Ökologische Wege finden

Jeder Paketdienstleister bedient seine eigene Touren. Aktuell bauen einzelne LEH jeweils eigene regionale Ausliefertouren auf. Alle „Pizza- Lieferdienste“ bieten einen eigenen Lieferdienst, auch liefern z.B. Apotheken oder Floristen etc. oft selbst aus. Alle bedienen die gleiche Zielgruppe im selben Zielgebiet. Jedes Fahrzeug mehr in z.B. Innenstädten bedeutet mehr Belastung durch Abgase , Lärm und benötigt eine bestimmte Verkehrsfläche. Hier wäre eine kombinierte Logistik mehr als Sinnvoll. Verschiedene Anbieter könnten sich eine Onlinebestell- und Anlieferstruktur teilen. Kunden könnten kombiniert mit einem Kundenlogin, Warenkorb und Kasse bestellen und würden neben einer kombinierten Lieferung bzw. Nutzung einer mobilen Abholstation auch dort ihre Pakete von verschiedenen Paketdienstleistern erhalten. 

Zwischenstufe zu dem Onlinehandel

Drive-in Schalter funktionieren. Fastfood- Ketten aber auch vermehrt kleine Läden wie z.B. Bäckereien nutzen diesen Service. Durch Menüs stellen Fastfood- Ketten Produktgruppen zusammen und erreichen so eine schnellere Abfertigung. Diese halten geschätzt rund 50- 60 Produkte vor, manche heiß, manche gekühlt. Das Phänomen hier ist: Auch wenn der Laden leer ist – am Drive-in Schalter stehen die Kunden Schlange. Sieht man Drive- in Schalter aus dem Blickwinkel der „letzten Meile“ und dem Onlinehandel könnten diese eine Zwischenstufe bilden. Vom Wagen aus vorsortierte Produktpakete aus den „Top 100“ Produkten auswählen, bezahlen und mitnehmen, zusätzlich z.B. Pakete von Paketdienstleistern dort entgegen nehmen. Drive- in Schalter würden sich hervorragend auch durch die hier beschriebenen mobilen Abholstationen realisieren.

Tradition bewahren, soziale Ankerpunkte stärken

Der eCommerce boomt. Dieser und dessen Abwicklung wird unsere Zukunft maßgeblich beeinflussen. Durch die Forderung nach kurzen Lieferzeiten werden regionale Lösungen hier in Zukunft die Lösung sein. Städtische Infrastruktur, persönliches Einkaufsverhalten, sozialer Umgang, vieles wird neu definiert werden. Online steht in direkter Konkurrenz zum realen Leben. Als eine Auswirkung zeugt der Versuch neue, beleuchtete Verkehrsleitsysteme im Boden zu installieren und so Fußgänger während deren Smartphone- Nutzung auf z.B. eine rote Fußgängerampel hinzuweisen. Persönliche Kontakte werden durch z.B. Chatten oder die entsprechende Whatsapp- Gruppe mehr und mehr abgelöst. Läden sind als soziale Ankerpunkte wichtig. Der Onlinehandel ist nach gerade einmal knapp über 20 Jahren Internet schon für viel Leerstand in Innenstädten verantwortlich. Wer heute über 40 Jahre alt ist hat seine Jugend noch ohne Internet und Handy verbracht. Wir speichern unsere Daten und Bilder in bzw. auf Medien, welche nicht auf eine langfristige Speicherung ausgelegt sind. Unsere Haus- bzw.Wohnungstür schließen wir sorgfältig zu, online gehen wir mit unseren persönlichen Daten leichtferig um.

Unternehmen müssen sich dem e-Commerce professionell stellen. Wichtig ist einen möglichst großen sozialen Aspekt dort einfließen zu lassen. Gelingt es uns nicht unsere durch Jahrhunderte gewachsene Tradition und unser reales Leben mit den online- Herausforderungen zu kombinieren, werden wir unsere Identität verlieren.

Die Art der Ausrichtung des Onlinehandels und der Lösung der „letzten Meile“ wird einen entscheidenden Einfluss an sozialer Isolation, Infrastruktur online und offline und unserem zukünftigen Lebensstil und Verhalten haben. Nur Entscheidungsträger können die Masse hier lenken.