Rentner für Afrika

Die Flüchtlingskriese steht noch ganz am Anfang, zentral ist hier die weitere Entwicklung in Afrika. Hier stieg die Zahl der absolut Armen, ihnen stehen höchstens 1,90 Dollar/Tag zur Verfügung, zwischen 1990 und 2011 von 280 auf 390 Millionen (lt. PovcalNet 2015). Ein Großteil von Ihnen ist unter 20 Jahren, ohne Schulbildung und ohne Perspektive. Viele versuchen von der Landwirtschaft zu leben, diese ist mangels Kenntnisse und fehlender Infrastruktur ineffizient und kann gegen die Flut von billigen, importierten Waren nicht bestehen. Zeitgleich wird z.B. in Deutschland die Bevölkerung immer älter, auch immer mehr Handwerksbetriebe und Landwirte suchen einen Nachfolger. Die meisten werden keinen geeigneten Nachfolger finden, zu gering sind die Gewinne, zu groß die Konkurrenz ( z.B. kleine Bäckerei vs. Discounter) oder eine immer schnellere, technische Entwicklungen und die hierfür benötigte, spezielle Ausstattung (z.B. Diagnosetechnik im KFZ- Bereich). Also schließen diese spätestens zum Renteneintritt des Eigentümers. Die Betriebsausstattung ist meist technisch überholt und schwer zu veräußern.

Da sind auf der einen Seite junge Menschen ohne Perspektive, auf der anderen Seite ältere Menschen mit viel Berufserfahrung und nicht mehr benötigte Betriebsausstattungen. Warum diesen jungen Menschen nicht Zugang zu diesem Wissen und Betriebsausstattungen gewähren und so diesen in ihrer Heimat helfen eine funktionierende Infrastruktur aufzubauen?

Geeignete, vom deutschen Staat initiierte Rahmenprogramme könnten für einen geregelten Ablauf sorgen. Mit gezielter Entwicklungshilfe wie z.B dem Aufbau der erforderlichen Infrastruktur, Produktion, Anbau oder Import von Roh- und Hilfsstoffen etc. würde eine solche Aufgabe auch viele pensionierte, deutsche Handwerker oder Landwirte noch fordern. Denn egal ob Bäcker, Metzger, KFZ- Mechaniker oder Landwirt, die Weitergabe von deren Wissen, den gelebten Werten und in Kombination mit den meist hier veralteten Maschinen könnten in Afrika viel bewegen.

Immer mehr Rentner würden ihren Lebensabend gerne im Ausland verbringen. Wer Geld hat in einem schicken Rentnerdorf irgendwo im Süden. Viele wandern aus Kostenersparnis nach Osteuropa oder bis nach Thailand aus oder müssen in Deutschland noch Arbeiten weil die Rente nicht ausreicht. Hier wäre ein neuartiger Ansatz möglich. Durch z.B. einen einjährigen Arbeitseinsatz in Afrika könnten diese ihre Rente aufbessern, bei Gefallen auch langfristig Ihren Lebensabend dort zu günstigen Konditionen und, bei Interesse, mit einer altersgerechten Aufgabe verbringen. Natürlich würde sich dies auch auf fast alle Berufsgruppen ausweiten lassen. Afrikanische Flüchtlinge, welche jetzt schon in Deutschland sind, könnten zu Dolmetscher ausgebildet werden und würden mit einer Anstellung in ihre Heimat zurückkehren.

Durch eine so errichtete Infrastruktur könnten z.B. natürlich gewachsene Lebensmittel oder Produkte von extensiv gehaltenen Tieren gewinnbringend exportiert werden oder, als weiteres Beispiel, könnten Oldtimer dort fachgerecht und zu moderaten Preisen restauriert werden.

Mit Nutzfahrzeugen, welche hier durch Umweltzonen oder hohe Mautsätze nicht mehr einsetzbar sind, könnte dort eine geeignete Nahversorgung aufgebaut werden. Handarbeit, welche hier durch zu hohe Lohnkosten unrentabel geworden ist, wäre dort möglich und diese Produkte könnten zu attraktiven Preisen exportiert werden.

Wichtig wäre bei all diesem den Fokus auf eine Entwicklungspartnerschaft und keine Ausbeutung dieser Menschen. Wenn wir nicht lernen diesen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und Ihnen nicht in Ihrer Heimat eine reale Perspektive bieten, werden diese Menschen zu uns kommen.